Mitteldeutsche Zeitung, 30. Juli 2026

Oldtimertreffen Mehringen: Der Trabant P 600 Camping ist eine echte Seltenheit. Er wurde nur 759 Mal gebaut. Am Sonnabend kommt Christoph Erl zum Oldtimertreffen der Zweitaktfreunde Mehringen.

Christoph Erl aus Bräunrode im Mansfelder Land ist seit vielen Jahren bei den Zweitaktfreunden Mehringen dabei. Er hat diesen seltenen Trabant P600 Camping mit Faltdach, Baujahr 1965, vor einigen Jahren im Harz gekauft und aufgearbeitet. Auch eine MZ TS 150 von 1977 hat er neu aufgebaut. Mit dem Trabi ist er am Sonnabend beim Zweitakt- und Oldtimertreffen auf der Insel dabei. FOTOS: DETLEF ANDERS
Nicht nur ein Pittiplatsch sitzt auf der Rückbank. Es gibt auch ein Kofferradio mit dem Namen „Trabant T6“ der DDR-Radioschmiede Rema, das von 1961 bis 1965 gebaut wurde, zu sehen. Es empfängt aber nur Lang-, Mittel- und Kurzwellensender, kein UKW.

Von Detlef Anders

Mehringen/Bräunrode/MZ. Wenn am Sonnabend in Mehringen auf die Insel zum Zweitakt- und Oldtimertreffen eingeladen wird, dann ist auch Christoph Erl dabei. Nicht nur als Aussteller mit einem ganz besonderen Trabant, sondern auch als einer der fleißigen Helfer im Hintergrund. Seit einigen Jahren kommt der Mansfelder regelmäßig nach Mehringen.

Der Schlosser arbeitet in Aschersleben. Hendrik Buchmann, ein früherer Kollege aus Mehringen, hatte den kleinen „bunten Haufen” der Zweitaktfreunde mitgegründet. Und so schaut er auch regelmäßig in Mehringen vorbei. In dieser Woche vor allem beim Rasenmähen und den Aufbau-Vorbereitungen für das Event am Sonnabend.

Zur Ausbildung mit der Sime


Stolz zeigt Christoph Erl in Bräunrode, wo er lebt, seinen seltenen alten 600er Trabant, Baujahr 1965. Es ist ein Trabant Camping mit Faltschiebedach. „Davon haben sie nur 759 Stück gebaut”, weiß er. Daneben hat Erl auch seine 150er TS aus dem Hause MZ, Baujahr 1977, aufgebaut. Beide sehen aus wie frisch aus der Fabrik, mit viel Liebe restauriert. 1985 ist der Bräunröder aus dem „Storchennest in Wippra“ bereits mit einem Trabant Tourist abgeholt worden, ist im Hause Erl zu hören. Der Trabi der Eltern wurde 1992 gegen einen Wartburg getauscht. Als Jugendlicher hatte Erl natürlich auch eine Simson. Damit ging es fast täglich zur Berufsschule nach Sangerhausen.

Das erste Auto war ein Trabi


Wie er zum Trabant kam? Kurz nachdem er den Pkw-Führerschein gemacht hatte, konnte er sein erstes Auto kaufen. Einen Trabant. Damit kam er zu seinem Hobby. Zwei Jahre später kaufte er sich den zweiten Trabi „zum Basteln”, den er mit einem Kumpel aufbaute. „So ist die Liebe zum Trabi entstanden.” Das waren die 601er Trabis, von denen von 1964 bis 1990 2,8 Millionen Exemplare gebaut wurden.

2005 kam dann nach einem Besuch auf der Magdeburger Oldtimermesse Omma die Idee, sich das Vorgängermodell P600 zuzulegen. Von denen wurden zwischen 1962 und 1964 rund 107.000 Exemplare gefertigt.

Die seltene Camping-Ausführung, die Erl heute hat, bis 1965. Und Christoph Erl wagte es kaum zu glauben, als er in Drübeck im Harz den berühmten „Scheunenfund” machte. Der Besitzer hatte ihn nach seiner per MZ und Radio veröffentlichten Suche kontaktiert.

Georg“ ist ein Scheunenfund


„Der stand unter einer Plane versteckt”, erinnert sich Christoph Erl noch ganz genau an den Moment, an dem die Plane gehoben wurde, sein Vater mit dem angefeuchteten Finger den Staub von der Karosse wischte und feststellte: „Der sieht ja noch echt super aus.“ Für 670 Euro bekam er ihn. „Das darf man heute gar nicht sagen”, denkt er angesichts der Wertsteigerung des Trabis mit Originallackierung aus Original-Ausstattung.

Natürlich musste einiges an „Georg”, wie Erl das Auto nach dem Vorbesitzer getauft hat, gemacht werden. In Freital wurde der Motor aufbereitet und mit einem guten Kumpel arbeitete er anderthalb Jahre daran, bis „Georg” fertig war. Dass die Eltern nach der Wende mal mit Oldtimer-Teilen handelten, half ihm vielleicht auch bei der Ersatzteilbeschaffung.

Christoph Erl arbeitet als Schlosser, ist sogar Industriemeister. Das Schrauben an alten Autos und dem Motorrad ist Hobby. Und natürlich das Wienern des Original-Lacks von „Georg” und Polieren der glänzenden Metallteile mit Elsterglanz.

Gerade 90.000 Kilometer hat der Trabi auf dem Buckel. „Ich bin erst der zweite Besitzer”, sagt Erl. Letztes Jahr sei der „Georg” 60 geworden, stellt der 41-Jährige fest. Er ist stolz auf den Wagen. „Das Auto ist immer wieder ein Hingucker. Die Leute freuen sich, wenn man damit auf den Straßen fährt”, sagt er.

Drei Jahre an MZ geschraubt


Seine MZ hatte er 2021 aus einem Nachbarort von Zschopau, wo die Motorräder hergestellt wurden, geholt. Drei Jahre habe er daran gearbeitet, bis sie im vergangenen Jahr fertig wurde, berichtet Christoph Erl. Wenn er Zeit und Lust hat, ist der Bräunröder mit seinen Oldtimern unterwegs. Vor ein paar Tagen war er mit seiner Mutter in Biesenrode beim Traktoren- und Oldtimertreffen. „Der wird nur rausgeholt, wenn Sonnenschein ist. Im Winter wird er eingemottet”, sagt er zum Trabi.

„Die Zweitaktfreunde bedeuten für mich Zusammenhalt. Der Gedanke für das Große und Ganze halt”, sagt er gerade vor dem Treffen am Sonnabend, wo auch in der Vorbereitung jeder gefragt ist. Für Freitag hat er Urlaub genommen, um beim Aufbau zu helfen. An den Tagen zuvor wird der Platz hergerichtet und gemäht. Am Sonnabend geht es um 9 Uhr auf der Insel los.