130 Jahre Einsatz fürs Dorf
Mitteldeutsche Zeitung, 09.Februar 2026
Die Mehringer Feuerwehr zieht Bilanz über 2025 und freut sich auf ein besonderes Jubiläum. Welches Geschenk die Stadt Aschersleben dafür spendiert.

Von Regine Lotzmann
Mehringen/MZ. Was für eine Nachricht! Als Ascherslebens OB Steffen Amme die Mehringer Feuerwehrleute bei ihrer Jahreshauptversammlung am Samstagabend begrüßt, verkündet er, dass sie ein neues Mannschaftstransportfahrzeug bekommen sollen. „Und die Fahrzeughalle und der Flur noch bis zum Jubiläum gestrichen werden“, fügt Ortswehrleiter Martin Bork voller Freude hinzu. Es ist ein schönes Geschenk und ein Zeichen der Anerkennung für die Kameraden, die in diesem Jahr das 130-jährige Jubiläum ihrer Wehr feiern werden.
Wie wichtig sie für die Gemeinschaft sind, zeigt auch die Anzahl ihrer Einsätze. Im vergangenen Jahr, so bilanziert Martin Bork, mussten seine Feuerwehrleute zu insgesamt 21 Bränden und Hilfeleistungen ausrücken. Darunter zu Klein- und Flächenbränden. Einmal brannte zudem ein Schornstein, zweimal Getreidefelder. Wobei der Mehringer Sprühbalken, der das Löschwasser sparsam und fein verteilt und dafür im vergangenen Sommer auch den Kreativpreis des Landes Sachsen-Anhalt einheimsen konnte, gute Dienste geleistet hatte. Ansonsten rückten die Mehringer zu Sturmschäden aus, sicherten ausgelaufene Flüssigkeiten, Ölspuren und die Landung eines Rettungshubschraubers. Einmal waren sie sogar bei einer Tierrettung im Einsatz. 435 Stunden ihrer Freizeit brachten die Kameraden dafür auf. 1.043 weitere für die Ausbildung und 114 für die Pflege von Einsatzfahrzeugen und Depot.
Bork kann sich dabei stets auf seine gute Eingreiftruppe verlassen: „Wir haben 28 Kameraden als aktive Einsatzkräfte, davon acht Frauen, 21 Kameraden in der Reserveabteilung und 27 fördernde Mitglieder“, zählt er auf. Eine gute Bilanz, die vor allem auch der eigenen Kinder- und Jugendarbeit zu verdanken ist. So sind derzeit 20 junge Leute – darunter sechs Mädchen – in der Jugendfeuerwehr aktiv und zehn Knirpse, hier sogar sieben Mädchen, in der Kinderfeuerwehr. Der Ortswehrleiter dankt deshalb ausdrücklich den Kameraden, die sich so intensiv und kreativ um den Feuerwehrnachwuchs kümmern. Der 24-Stunden-Dienst etwa, bei dem die angehenden Feuerwehrleute sich in den unterschiedlichsten Einsatzvarianten ausprobieren und Feuerwehrluft schnuppern können, ist dabei wohl stets der Höhepunkt.
Doch die Mehringer Feuerwehrleute sind nicht nur da, wenn es um das Retten ihrer Mitmenschen geht. Sie bereichern auch unzählige Veranstaltungen im dörflichen Leben. Bork erinnert an Neujahrsbrunch und Osterfeuer, an Arbeitseinsätze im Ort und das traditionelle Heimatfest, an Schützenumzug und Bustracking. Die Brandschutzerziehung in der Grundschule ist inzwischen selbstverständlich. Auch die Jury für die Aktion „Unser Dorf hat Zukunft“ war von den Kameraden begeistert. Ein wichtiges Ereignis im vergangenen Jahr war zudem die Gründung eines Feuerwehrvereins, der die Wehr in Zukunft unterstützen möchte.
Der Ortswehrleiter bringt aber auch kritische Dinge an. Dazu gehört die Einsatzbereitschaft an den Werktagen zwischen 6 und 18 Uhr, die nicht immer gewährleistet werden kann, weil viele Kameraden auswärts oder auf Montage arbeiten würden. „Ein weiteres Problem ist die Förderung der Führerscheine für die Klasse C. Die alten Hasen hatten den alle durch NVA, GST oder Bundeswehr. Durch den Wegfall der Wehrpflicht gibt es aber keinen mehr, der einen Lkw-Führerschein besitzt.“ Dafür sollten zügig Pläne erarbeitet werden.
Nun freuen sich die Mehringer Feuerwehrleute aber erst einmal auf ihr außergewöhnliches Jubiläum. 130 Jahre Feuerwehr, das gilt es nämlich ordentlich zu feiern.
