Mitteldeutsche Zeitung, 16. Oktober 2026

Im Rahmen des Waldfuchsprojektes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald geht es für die Kinder der Mehringer Kita raus in die Natur.

Im Wald gibt es viel zu erleben FOTO: CLAUDIA BARON
Im Rahmen des Waldfuchsprojektes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald geht es für die Kinder der Mehringer Kita raus in die Natur. FOTO: CLAUDIA BARON

Von Claudia Baron

Mehringen/MZ. Die kleinen Waldfüchse waren heute wieder nicht zu stoppen. Nachdem sie die Köpfe zusammengesteckt und die Theorie wie echte Profis meisterten, hieß es nun: Jacken und Gummistiefel an und startklar ins Abenteuer. Sie hatten sich nämlich klammheimlich an die Fersen von Meister Eichhörnchen und seiner wilden Bande geheftet. Ob sie die Vierbeiner eingeholt haben? Das bleibt natürlich ein Geheimnis. Eins ist sicher. Das kleine Wäldchen steht noch, aber die Eichhörnchen mussten heute ganz schön flink flitzen.

Der „Spiegelgang“

Im Rahmen des Waldprojektes erprobten die Füchse heute die pädagogische Methode des Spiegelgangs. Die Kinder erforschten die Natur mit einem kleinen Handspiegel. Dabei stellte sich die spannende Frage, wie sieht die Welt eigentlich aus, wenn man so klein ist wie ein Eichhörnchen. Der Blick in den Spiegel stellte die Umgebung im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf und eröffnete den Kindern die ganz neue, spannende Sichtweise der kleinen Waldbewohner. Durch diese spielerische Übung konnten alle Kinder die Natur aus einer völlig neuen, bodennahen Sichtweise wahrnehmen und hautnah erleben, wie ein Eichhörnchen seine Umwelt beim Klettern und Flitzen wahrnimmt.

Für Bonté Blisse ist das „Waldfuchs Projekt“ ein Paradebeispiel für nachhaltige Entwicklung im Bildungswesen. „Hierbei geht es darum, völlig neue Perspektiven und Kompetenzen zu erlangen. Die Kinder sollen lernen, ganz neue Sichtweisen einzunehmen und intensiv im Team zusammenzuarbeiten“. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die Methode des Spiegelgangs ein. Diese verbindet gleich zwei wichtige Lernziele auf einmal. Die Kids müssen einerseits volles Vertrauen in ihren Partner setzen, sich gegenseitig leiten und motivieren. Andererseits verändern sie durch den Spiegel buchstäblich ihren Blick auf die Welt. Das Besondere an diesem Projekt ist für uns der unterschwellige Charakter. Es ist so wertvoll, weil die Kinder spielerisch und ganz nebenbei lernen, ohne dass sie überhaupt merken, dass gerade ein Bildungsprozess stattfindet“, erläuterte Bonté Blisse, Leiterin für Umweltbildung bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Hilfe, wo ist mein Vorrat?

Plötzlich hieß es: „Auf die Nüsse, fertig, los!“ Jedes Kind schnappte sich genau fünf Nüsse und flitzte los wie der Blitz, um das allerbeste Geheimversteck der Welt zu finden. Genau so machen es die echten Eichhörnchen für den Winter ja auch. Aber oje, als es ans Suchen ging, merkten die kleinen „Füchse“, wie schlau die echten Waldbewohner eigentlich sein müssen. „Wo war noch mal dieser Busch?“ Oder: „Sah vorhin dieser Baum auch schon so aus?“ Gar nicht so einfach, sein eigens Gedächtnis so auszutricksen. Am Ende sind aber (fast) alle Nüsse gerettet worden. Ein riesiger Suchspaß, nachdem sie alle feststellten, dass die Eichhörnchen eigentlich Detektive sein müssten. Denn die kleinen Dinger im Wald wiederzufinden, war eine echte Meisterleistung.

Alle lachten, suchten und erlebten die Natur mit vollem Körpereinsatz. Auf die Frage, wie Eichhörnchen eigentlich all ihre vergrabenen Wintervorräte wiederfinden, hatte Bonté Blisse eine ziemlich verblüffende Antwort parat. „Sie pullern einfach auf ihre Verstecke. So erkennen sie die Nüsse immer ganz am persönlichen Duft wieder. Die Reaktion der Kinder ließ nicht lange auf sich warten – ein lautstarkes, lang gezogenes „Iiiiiih!“ hallte es wie ein Echo durch das Blätterdach.

Als Bonté Blisse dann die bunten Farbkarten hervorzauberte, verwandelten sich die Kleinen zu rasanten Wieseln. Im Sauseschritt ging es kreuz und quer durch das schon etwas feuchte Gras. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde mit den Kärtchen abgeglichen. Die Kinder scannten den Waldboden wie kleine Profis, bis jede Karte ihr perfektes Gegenstück aus der Natur gefunden hatte. Ein wildes Farbspektakel.

Mehringens Kitaleiterin Siglinde Winter zeigte sich begeistert: „Mit unserem Thema „Waldfuchs“ unterstützen und vertiefen wir gezielt die kindliche Bildung und Erziehung. Durch regelmäßige Beobachtungen und spannende Experimente im Freien stärken wir die Sinneswahrnehmung der Kinder. Sie erkunden aktiv die Umwelt, lernen die heimische Tier- und Pflanzenwelt kennen, vor allem wachsen sie als Gruppe enger zusammen. Beim gemeinsamen Erproben der eigenen Fähigkeiten tauschen sich die Kinder intensiv aus. Das fordert wichtige Kernkompetenzen wie die Kooperationsfähigkeit und das Sozialverhalten.

Spielerisch erwerben die angehenden Schulkinder ein fundiertes Allgemeinwissen über die Natur. Begleitet wird dieses Projekt von unserer Erzieherin Mareike Räder.“

Schwung holen und los!

Als Auflockerung zwischendurch konnten alle Kids unter einem großen, schwingenden Seil durchspringen. Hier war natürlich auch Mut und ihre Geschicklichkeit gefragt, aber die schlauen, flinken Füchse absolvierten auch diese Übung mit Leichtigkeit in kürzester Zeit. Mit schnellen Füßen und neugierigen Nasen machen die Mehringer Waldfüchse die heimische Wildnis zu ihrem Klassenzimmer. Das große Abenteuer kann also kommen.