Ein besonderer Start
Mitteldeutsche Zeitung, 17. August 2026
Für 17 Erstklässler beginnt in Mehringen ein neuer Lebensabschnitt. Sie lassen Luftballons steigen und bekommen Zuckertüten. Warum auch ihre Lehrerin eine solche bekommt.


Von Detlef Anders
Aschersleben/MZ. Für viele Kinder im Salzlandkreis wie in ganz Sachsen-Anhalt hat am Sonnabend ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Sie wurden in den Grundschulen des Landes eingeschult. Auch in Mehringen gibt es 17 neue Erstklässler. Doch nicht nur sie erhielten nach der Einschulungsfeier mit dem Programm der älteren Grundschüler und Reden sowie dem Kennenlernen des neuen Klassenraums ihre heiß ersehnten Zuckertüten.
Eine kleine Zuckertüte übergibt Schulleiterin Christina Görsch am Sonnabend in Mehringen auch an Lina Urban. Sie ist die neue Klassenlehrerin der 17 Erstklässler. Lina Urban übernimmt erstmals eine eigene Klasse.
Die 24-Jährige aus Aschersleben ist die jüngste Lehrerin hier. Dass sie die Abc-Schützen erstmals mit den Handpuppen-Katzen Mimi und Mo bekannt macht, merkt man ihr in den ersten Minuten mit ihrer Klasse nicht an. Die Katzen aus der Fibel kennt sie noch aus ihrer eigenen Fibel.
Vor den Kindern stehen Schilder mit den Namen und so kann sie jeden ansprechen, der sich meldet. Benedikt verkündet bei seiner Meldung erstmal, dass er im Kindergarten die ganze Zeit über spielen durfte. Das wird wohl nun anders werden, wenn Lesen und Rechnen lernen auf der Tagesordnung stehen. „Da haben wir nicht mehr ganz so viel Zeit zum Spielen“, sagt Lina Urban. Der Hinweis auf die vielen Pausen tröstet aber. Die pädagogische Mitarbeiterin Ines Hartleib, die der Lehrerin hilft, kennen die Abc-Schützen aus der Vorschule schon.
Ein Luftballon bis Wolfsburg
Nach ein paar Minuten im neuen Klassenraum werden die in Mehringen traditionellen Luftballons mit den Namen der Kinder und der Schuladresse steigen gelassen. Es ist ein kleiner Höhepunkt, der die Kinderaugen zum Leuchten bringt. Ein Luftballon sei schon mal bis Wolfsburg geflogen, heißt es. Doch der eigentliche Höhepunkt ist zweifellos die Verteilung der Zuckertüten, die in einem „Zuckertütenbaum“ genannten Gestell hängen. Fast auf jeder sitzt ein Kuscheltier. Bei Ella ist es dagegen ein kleines Gewimmel – quasi ein Strauß auf der Zuckertüte. Mit ihrer Freundin entdeckt sie immer wieder kleine Figuren wie geflügelte Pferde dort.
Ellas Mutti, Anja Kannenberg, ist froh, dass ihre Tochter – so wie sie selbst einst und ihre drei großen Jungs – in Mehringen zur Schule gehen kann. „Mehringen ist schön. Die machen das immer toll“, findet sie. Es gehe sehr familiär an der Schule zu. Wie gefeiert wird? „Wir feiern im Garten mit über 30 Leuten“, sagt sie. Die Familie eines anderen Kindes sorgt für eine größere Akustik. Schulleiterin Christina Görsch denkt, dass eine Abholung mit dem Spielmannszug organisiert wurde.
Nach den Einschulungsfeiern mit den Eltern und Verwandten werden die neuen Erstklässler am Montag sicherlich aufgeregt sein, wenn es erstmals in die Schule geht. So wie auch Lina Urban ihre Aufregung nicht verschweigt. „Aber ich denke, das ist eine schöne Klasse. Ich habe ganz viel tatkräftige Unterstützung“, sagt sie.
Ganztagsschule ab 2027/28?
Mit 17 eingeschulten Kindern seien es genauso viele wie vor einem Jahr, berichtet Christina Görsch. Die neuen Erstklässler kommen aus Mehringen, Drohndorf und Freckleben. In den älteren Stufen gebe es auch Kinder aus Westdorf, Schackstedt, Schackenthal, Groß Schierstedt und Aschersleben, sagt die Schulleiterin. Sie seien in Mehringen bereits im Kindergarten gewesen, erklärt Christina Görsch.
Für sie ist es inzwischen die sechste Einschulung als Schulleiterin in Mehringen. Und sie hofft, dass es mit der Umsetzung der Idee der Ganztagsschule ab 2027/28 noch viele weitere Einschulungen hier gibt. Was sie selbst einst auf ihrer eigenen Zuckertüte hatte, das weiß die Grundschul-Chefin noch ganz genau: Rotkäppchen. Und das gibt es sogar noch immer.
