Mitteldeutsche Zeitung, 30. Januar 2026

Das Projekt Dorfgemeinschaftshaus in Mehringen rückt näher. Wer dabei geholfen hat und was in der seit Jahren leerstehenden alten Schule passieren soll.

Der Kultur- und Heimatverein Mehringen will die alte Schule in der Kirchstraße, die zuletzt als Ärztehaus diente und seit Jahren leer steht, mit EU-Geldern zum Dorfgemeinschaftshaus umbauen. FOTO: DETLEF ANDERS

Von Detlef Anders

Mehringen/MZ. Die größte Herausforderung in diesem Jahr werde für Mehringen das Projekt des Dorfgemeinschaftshauses sein. Das hatte Ortsbürgermeisterin Annika Fügner-Meier vor ein paar Tagen der MZ im Jahresinterview gesagt. Stolz berichtete sie darüber, dass die nötigen Eigenmittel im Rahmen der Crowdfunding-Aktion „99 Funken“ und mit Unterstützung der Salzlandsparkasse zusammengekommen sind.

Das Dorfgemeinschaftshaus in Mehringen soll ein Ort werden, der die Menschen verbindet. Als ein Zentrum für Gemeinschaft, Kultur und Begegnung sowie offen für alle und voller Möglichkeiten zum Lernen, Lachen, Feiern und mehr, heißt es in der Projektbeschreibung auf der Webseite „99funken.de“.

Seit vielen Jahren steht die alte Dorfschule in der Kirchstraße 5, die ab den 70er Jahren als Arztpraxis gedient hatte, leer. Der Putz bröckelt. Dass dort ein Saal, der auch als Winterkirche oder für Veranstaltungen genutzt werden kann, entsteht, wünschen sich die Mehringer seit langem. Auch die Bibliothek, die aus der Schule mangels Platz raus musste, soll hier Platz finden. Die Heimatstube und ein Jugendtreff könnten dann im Ortszentrum öffnen. Es ist ein Traum, der jetzt näher rückt.

Ziel der Crowdfunding-Aktion war es eigentlich, 40.000 Euro zusammenzubekommen. Letztlich wurden es dank der Hilfe von 144 Unterstützern 25.970 Euro. Doch weil die Salzlandsparkasse weitere 20.000 Euro zur Verfügung stellt, kann das neue Dorfgemeinschaftshaus nun doch bald Wirklichkeit werden.

Als nötigen Eigenanteil für das Projekt sind insgesamt 87.500 Euro nötig, weiß Annika Fügner-Meier. „Den Rest haben wir über die Jahre bereits selber erwirtschaftet“, so die Ortsbürgermeisterin. Jetzt werden die nötigen Fördermittel in Höhe von 350.000 Euro beantragt. Trotz der offensichtlichen Kurzfristigkeit ist Annika Fügner-Meier zuversichtlich, dass die sogenannten „Efre-Fördermittel“ über die Leader-Gruppe kurzfristig bewilligt werden.

Maximal 350.000 Euro könnte es darüber geben und die Mehringer sind sich sicher, dass sie diese auch bekommen. Man stehe im engen Austausch mit der Leiterin. Ihr Architekt habe auch bereits mit der Investitionsbank Sachsen-Anhalt das Gespräch gesucht, so Fügner-Meier. „Wir haben nur bis Ende 2027 Zeit zu bauen“, berichtet die Ortsbürgermeisterin von einem gewissen Zeitdruck.

Weil die Leader-Gruppe sich erst als Verein gründen musste, habe man viel Zeit verloren, „und wir sind jetzt die Leidtragenden“, berichtet Annika Fügner-Meier. Der Kultur- und Heimatverein als Träger des Projektes müsse in Vorkasse gehen und könne nur einmal zwischendurch eine erste Rate der Gelder abfordern. Die Stadt Aschersleben habe aber bereits die 350.000 Euro Vorkasse in den Haushalt eingestellt.

Voraussetzung für die Beantragung der Fördermittel sei ein Nutzungsvertrag, mit der Stadt Aschersleben als Eigentümer des Gebäudes, gewesen. Der Kultur- und Heimatverein habe seit Ende November für 15 Jahre solch einen Vertrag. Mit der Stadt Aschersleben funktioniere das gut, wenn der Verein mit einer Idee kommt und auch schon präsentieren kann, wie diese umgesetzt wird, wie im Fall des Dorfgemeinschaftshauses, schätzt die Ortsbürgermeisterin ein. „Da hat man das Gefühl, da gehen auch alle mit“, freut sie sich. „Wir wollten nicht gleich neben dem Pfarrhaus in der gleichen Straße ein zweites verfallenes Haus stehen haben“, sagt sie zum Hintergrund der Eigeninitiative.

Um weitere Leader-Fördermittel hatte sich die Kirchengemeinde Mehringen beworben, berichtet die Ortsbürgermeisterin. Diese möchte den Glockenturm sanieren. Aus einem anderen EU-Programm könnte sie dafür maximal 200.000 Euro bekommen. Und weil die Kirchengemeinde dieses Geld über das Amt für Landwirtschaft bekomme, habe sie die Bewilligung auch bereits erhalten. Und könnte eigentlich schon bauen, wenn nicht gerade Winter wäre, weiß die Ortschefin.

( Die hervorgehobenen Werte, im Absatz Crowdfunding-Aktion, wurden von mir der Richtigkeit halber korrigiert. Beitragersteller: Niko)