Mitteldeutsche Zeitung, 29. September 2026

Im Rahmen des diesjährigen Rühlmann-Orgel-Festivals gastierte Initiator Matthias Müller für ein Konzert in der Mehringer Kirche.

Festival-Initiator Matthias Müller vor der Rühlmann-Orgel in der Mehringer St.-Stephani-Kirche.

Von Claudia Baron

Mehringen/MZ. Zahlreiche Besucher erlebten kürzlich ein mitreißendes Orgelkonzert in der Mehringer St.-Stephani-Kirche. Eine ganz eigene, orchestrale Klangwelt konnten die Zuhörer erleben. Matthias Müller begeisterte sein Publikum auf der historischen Rühlmann-Orgel mit zauberhaften Tönen und bescherte den Zuhörern einen unvergesslichen musikalischen Genuss.

Schon zum 21. Mal findet das Rühlmann-Orgel-Festival statt. Inzwischen hat sich die Konzertreihe zu einem der größten Orgelfestivals Deutschlands, vielleicht sogar Europas, entwickelt. An 47 Orten werden mit einer Rühlmann-Orgel Konzerte gespielt, von klassisch bis modern. Matthias Müller kam zwar in diesem Jahr allein, aber er brachte seine Celesta mit. Sie schaut wie ein Klavier oder Harmonium aus. Das Instrument klingt extrem hell, glockenrein und richtig märchenhaft. Ihr Klang erinnert an eine Mischung aus Spieluhr, einem feinen Glockenspiel und einer Harfe.

Ein ganzes Orchester

Im Mittelpunkt stand aber die Orgel. Wenn die Hörer die Augen geschlossen hatten, konnten sie aber teilweise ein volles Sinfonieorchester hören. Warme, füllige sowie „breite“ Töne verwöhnten Ihre Ohren. Leise Passagen klangen oft sogar richtig mystisch, intim sowie weich – perfekt für romantische, hochemotionale Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Das Instrument brachte in Mehringen genau diese Qualität mit und ist perfekt auf die dortige Raumakustik abgestimmt. „So lebendig haben wir unsere Orgel noch nie erlebt. Wer die Musik von Herrn Müller bisher nur aus Drohndorf kannte oder den Vergleich zum einfacheren Instrument zog, wurde heute komplett überrascht. So kraftvoll hat sie noch nie geklungen“, waren die Worte von Klaus Kilian, Kirchenratsvorsitzender der Gemeinde Mehringen.

„Unsere Orgel wurde heute so genial bespielt wie noch nie zuvor. Von tiefsten Bässen bis zu den höchsten Tönen war alles dabei, ein gänzlich großartiges Gefühl. Das war eine richtig tolle Sache, die unbedingt wiederholt werden muss“, schwärmte Ortsbürgermeisterin Annika Fügner-Meier.

Besonders bei dem Stück einer „Pastorale“ konnte man alle Emotionen hautnah spüren und die Geschichte förmlich vor Augen sehen. Weil Matthias Müller das Werk vorab so anschaulich erklärt hatte, ging die Musik so richtig unter die Haut. Dieses Stück erzählt die dramatische Geschichte einer Hirtenidylle, die plötzlich von einem mächtigen Gewitter überrascht wird. Dank der vielen Register unserer Orgel und der mitreißenden Spielweise von Matthias Müller wurde diese musikalische Erzählung zu einem emotionalen Kopfkino, bei dem man die Angst und das Unwetter hautnah spüren konnte.

Eine Dorfbewohnerin brachte das unbeschreibliche Gefühl des Abends auf den Punkt: „Herr Müller hat dieser Orgel Töne entlockt, die man hier noch nie gehört hat. Das war einfach Gänsehaut pur. Auch sein Spiel auf der Celesta war absolut hervorragend.“

Geheimnis des Erfolges

Auf die Frage nach seiner Vorbereitung verrät Matthias Müller sein Geheimnis: „Wenn ich zu Hause aufbreche, reist ein Schatz von 30 bis 40 Musikstücken in meinem Gepäck mit. Ich weiß ja, welche Orgel mich am Ziel erwartet. Vor Ort lasse ich mich ganz von ihrer einzigartigen Seele und deren Klängen leiten. Erst in diesem Zwiegespräch mit dem Instrument erwacht das Repertoire für den Abend zum Leben.“

Als krönenden Abschluss ließ der Organist die „Elisabeth-Serenade“ auf der Celesta erklingen. Es ist ein Stück, das wie eine himmlische Stimme durch das Klavierschiff schwebte. Diese zarte Melodie erwärmte jedes einzelne Herz im Sturm. Sie ließ die Zuhörer zutiefst glückselig, mit einem verträumten Lächeln und voller innerer Ruhe die Kirche verlassen.

Das Konzert hat gezeigt, welche ungeahnt lebendigen Facetten in unserer Mehringer Orgel stecken, wenn sie so genial präsentiert wird. Mit seinem humorvollen und erfrischenden Charme verzauberte der Experte für Rühlmann-Orgeln die Musikbegeisterten auch zwischen den Stücken. In einem waren sich am Ende alle einig. Dieses musikalische Juwel hat tiefe Spuren in den Herzen hinterlassen und schreit nach einer baldigen, sehnsüchtig erwarteten Wiederholung.

Im Anschluss an das Konzert war für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Die Besucher konnten sich bei Kuchen, Bratwürsten und Getränken stärken und den Abend in geselliger Runde ausklingen lassen.