Gemeinsam Zukunft gestalten
Mitteldeutsche Zeitung, 16. September 2026
MZ-Praktikantin Emilie Thieme ist in den Ortsteilen von Aschersleben unterwegs und spürt auf, was die Dörfer rund um die Stadt so besonders macht. Heute: Mehringen.

Von Emilie Thieme
Wer nach Mehringen kommt und sich mit den Menschen vor Ort an einen Tisch setzt, spürt sofort: Hier brennt ein ganz besonderes Feuer für die Heimat. Bei der Runde um Ortsbürgermeisterin Annika Fügner-Meier, Kathrin Fischer, Monika Hippe, Christine Hermsdorf, Ulrich Fügner, Barbara Nagel und Carsten Wollmann wird schnell klar, warum der Ascherslebener Ortsteil zu den drei Kreissiegern des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ 2024 gehört.
„Man muss den Menschen hier im Dorf das Engagement hoch anrechnen“, betont Carsten Wollmann im Gespräch. Das Gemeinschaftsleben in Mehringen ist herzlich, familiär und vor allem praktisch – jeder packt an, wo er kann.
Ein Dorf, das zusammenhält
Wie stark dieser Zusammenhalt wirklich ist, hat sich nicht zuletzt bei Krisen gezeigt. Besonders stolz ist die Runde darauf, wie selbstverständlich alle nach einem schweren Unwetter mit angepackt haben, um Schäden zu beseitigen und füreinander da zu sein. Fast alle aus der Gesprächsrunde sind selbst in Mehringen aufgewachsen und tief mit dem Ort verwurzelt.
Dieses Heimatgefühl gibt auch der nachfolgenden Generation Orientierung. Beim Thema Bildung und Einrichtungen im Ort bringt es die Runde aus voller Überzeugung auf den Punkt: „Wir machen das alles für die Kinder.“
Dass Mehringen in Sachen Lebensqualität die Nase vorn hat, zeigt sich an der Infrastruktur, um die viele andere Ortschaften das Dorf beneiden dürften. Die Kindertageseinrichtung „Kunterbunt“ und die Grundschule Mehringen bilden eine echte Einheit. Sie stehen direkt Wand an Wand und sind über einen gemeinsamen Flur miteinander verbunden. So gelingt der Übergang von der Krippe über den Kindergarten bis hin zur Grundschulzeit nahtlos und in vertrauter Umgebung. Dass hier nicht nur Mehringer Kinder lernen, sondern auch Grundschüler aus fünf weiteren Ortsteilen, unterstreiche die zentrale Rolle der Schule im Wippertal. Abgerundet wird der Standort durch die 2021 neu erbaute Turnhalle.
Ein weiteres echtes Herzstück für die tägliche Versorgung und den sozialen Austausch ist der Mehringer Dorfladen. In Zeiten, in denen sich die Nahversorgung auf dem Land immer weiter zurückzieht, ist der kleine Laden im Ort ein unschätzbarer Ankerpunkt. Hier holt man nicht nur frische Brötchen und Dinge des täglichen Bedarfs – er ist zugleich wichtiger Treffpunkt für den kurzen Plausch zwischen Tür und Angel.
Bauprojekte mit Vision
Auch baulich tut sich aktuell richtig viel im Ort. Das historische Wahrzeichen, der Kirchturm der romanischen St. Stephani Kirche, bekommt derzeit seinen Dachstuhl saniert, um das denkmalgeschützte Bauwerk für die Zukunft zu sichern.
Gleichzeitig läuft mitten im Ortskern ein großes Zukunftsprojekt: Die ehemalige Arztpraxis wird zum neuen Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Ortsbürgermeisterin Annika Fügner-Meier blickt der Fertigstellung schon voller Vorfreude entgegen. Für sie soll das Gebäude zu einer lebendigen Werkstatt für den ganzen Ort werden: „Ich freue mich darauf, wenn das Haus fertig ist und wir hier gemeinsam neue Projekte anpacken und uns kreativ austoben können.“ Ein ganz besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Nachwuchs. Oben unter dem Dach soll ein eigener Bereich entstehen, in dem die Dorfjugend ihren festen Platz zum Entspannen und Zusammenkommen findet.
Mitmachen statt Meckern
Etwa jeder fünfte Mehringer ist in einem Verein aktiv – ob im Kultur- und Heimatverein, bei den „Blaue Fahne 2-Takt Freunden“, im 2024 neu gegründeten Spielmannszug, im Reit- und Fahrverein, beim FSV Drohndorf/Mehringen, bei den Sportlerfrauen oder in der seit 1896 bestehenden Freiwilligen Feuerwehr. Auch im Rassegeflügelzuchtverein und in der Schützengesellschaft Mehringen 1903 sind viele Mitglieder aktiv.
Wie Eigeninitiative konkret aussieht, zeigte sich Ende Mai 2024: Unter dem Motto „ Mitmachen statt Meckern “ machten die Einwohner ihren Spielplatz in Eigenleistung wieder fit. Dank Spenden und Unterstützung der Salzlandsparkasse konnte sogar ein neues Boden-Trampolin eingebaut werden.
Am Ende bringt die Runde die Stimmung im Dorf treffend auf den Punkt: „Ich bin total stolz darauf, dass Mehringen nicht stehen geblieben ist.“ Der gemeinsame Wunsch für die Zukunft steht fest: Genau so soll es weitergehen.

