Gigabit und weiße Flecken
Mitteldeutsche Zeitung, 24.Februar 2026
Der Stadtrat berät am morgigen Mittwoch über den Breitbandausbau in Mehringen. Doch auch in der Kernstadt gibt es laut Breitbandatlas noch Versorgungslücken.

es noch Luft nach oben. SCREENSHOT: GIGABITGRUNDBUCH.BUND.DE
Von Katrin Wurm
Aschersleben/MZ. Die Versorgung mit schnellem Internet beschäftigt Politik und Bürger in Aschersleben seit Jahren – und sie ist erneut Thema. Anlass der jüngsten Debatte im Stadtentwicklungsausschuss war ein Antrag des Ortschaftsrates Mehringen, der eine Prüfung der Breitbandversorgung im Ortsteil fordert.
In der Diskussion machte SPD-Stadtrat Lars-Gernot Otto jedoch deutlich, dass der Handlungsbedarf nicht allein die Ortsteile betreffe. Auch in der Kernstadt – selbst in Teilen der Innenstadt – gebe es noch sogenannte „weiße Flecken“, also Bereiche mit unzureichender Internetversorgung. Diese müsse man mit Blick auf die Zukunft ebenfalls berücksichtigen.
Es gibt Lücken
Dezernentin Julia Rippich verwies darauf, dass sich die Versorgungslage detailliert im Breitbandatlas des Bundes nachvollziehen lasse. Dort könne man straßengenau erkennen, wo bereits hohe Geschwindigkeiten verfügbar seien – und wo noch Lücken bestünden.
Die Mitteldeutsche Zeitung hat sich die Daten im Breitbandatlas für Aschersleben angesehen. Das Ergebnis: Schnelles Internet ist in vielen Teilen der Stadt zwar verfügbar, doch beim Ausbau von Glasfaseranschlüssen gibt es weiterhin deutliche Unterschiede. Nach dem aktuellen Stand (Juni 2025) verfügen schätzungsweise rund 15 bis 20 Prozent der Haushalte über einen direkten Glasfaseranschluss mit bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Glasfaser bedeutet, dass Daten über Lichtsignale durch spezielle Kabel übertragen werden. Wird die Leitung direkt bis ins Haus oder in die Wohnung gelegt – Fachbegriff „FTTH“ (Fiber to the Home) – gilt dies als besonders leistungsfähig und zukunftssicher.
In einzelnen Straßen und Quartieren ist diese Technik bereits gut ausgebaut, in anderen Bereichen – auch innerhalb der Innenstadt, zum Beispiel im Bereich Liebenwahnscher Plan oder Badstuben – liegt der Anteil deutlich niedriger. Vor allem in Randlagen und einigen Wohngebieten erreichen manche Bereiche bislang nur geringe Glasfaserquoten. Solche unterversorgten Gebiete werden häufig als „weiße Flecken“ bezeichnet.
Wie wichtig das Thema insbesondere im ländlichen Raum ist, zeigen aktuelle Beispiele aus den Ortsteilen. In Groß und Klein Schierstedt wurde kürzlich der symbolische Spatenstich für den Glasfaserausbau gesetzt. Rund 399 Haushalte sollen dort künftig Geschwindigkeiten von bis zu 1.000 Mbit/s nutzen können. Das Land Sachsen-Anhalt fördert das Projekt mit rund 981.000 Euro.
Auch in Freckleben wurde ein geförderter Ausbau abgeschlossen. Dort können nun 162 Haushalte Gigabit-Geschwindigkeiten nutzen. Zuvor galt ein Teil des Ortes als unterversorgt (die MZ berichtete).
Noch sehr langsam
Am morgigen Mittwoch wird der Antrag des Ortschaftsrates Mehringen im Stadtrat diskutiert. Die Verwaltung soll die aktuelle Versorgungssituation im Ortsteil erfassen, mögliche Ausbaumaßnahmen – insbesondere mit Glasfaser – prüfen und Fördermöglichkeiten von Bund und Land Sachsen-Anhalt ermitteln. Auslöser des Antrags sind Hinweise von Bürgern, dass teilweise lediglich rund sechs Mbit/s im Download erreicht werden. Zum Vergleich: Moderne Glasfaseranschlüsse ermöglichen bis zu 1.000 Mbit/s. Für Anwendungen wie Homeoffice, Videokonferenzen oder Streaming sind stabile und ausreichend hohe Geschwindigkeiten heute zunehmend Voraussetzung.
Der Breitbandatlas ist zu finden unter:
http://gigabitgrundbuch.bund.de/GIGA/DE/Breitbandatlas/start.html
