Der Bildungs- und Sozialausschuss hatte seine jüngste Sitzung ins Wippertal verlegt. In Mehringen und Groß Schierstedt sind die Sorgen groß um den Bestand von Schule und Kita.

Die Ausschussmitglieder nutzten die Gelegenheit, Kita und Schule zu besichtigen und sich über die Konzepte zu informieren. Foto: Kerstin BeierDie geringen Geburtenzahlen bringen Kitas und Schulen in Gefahr. Symbolfoto: Christin Klose/dpa

    Von Kerstin Beier

    Aschersleben/mz. „Wir haben immer wieder Anfragen von Eltern aus Groß- und Klein Schierstedt, die ihre Kinder gern bei uns in Mehringen einschulen lassen möchten“, umriss die Mehringer Schulleiterin Christina Görsch in der jüngsten Sitzung des Bildungs- und Sozialausschusses ein Problem. Ein Problem deshalb, weil der Beförderungsanspruch nur für die nächstgelegene Schule gilt. „Und das ist nicht Mehringen“, sagt sie. Eine direkte Verbindung zwischen Klein- bzw. Groß Schierstedt und Mehringen gibt es nicht, die Schüler würden also über Aschersleben fahren. Logisch, dass sich die Eltern in diesem Fall für Giersleben entscheiden.

    Keine Schulbezirke

    Steffen Schütze, zuständiger Amtsleiter bei der Stadt Aschersleben, bezeichnete die Situation als „unbefriedigend“. Die Ursache liege unter anderem darin, dass keine Schulbezirke festgelegt sind. Die Stadt hatte sich vor Jahren ganz bewusst für die Aufhebung der Schulbezirke entschieden, um den Wettbewerb unter den Grundschulen zugunsten der Qualität zu fördern und den Eltern die Chance zu geben, die Bildungseinrichtung frei zu wählen. Mit der Ankündigung des Landes, das Schulgesetz zu ändern, werde die Stadt voraussichtlich dazu gezwungen, wieder Schulbezirke zu bilden. „Das wird ein komplexes und nicht einfaches Unterfangen“, kündigt er an.

    Die Ausschussmitglieder hatten sich zu ihrer Sitzung direkt in der Grundschule Mehringen getroffen, unter dem gleichen Dach arbeitet auch die Kindertagesstätte. Unter den Gästen der Beratung waren auch Eltern und die Kita-Leiterin der Einrichtung in Groß Schierstedt, die sich so wie die Mehringer in Trägerschaft der Stadt befindet. Sie gab ihrer Sorge Ausdruck, dass die Kinderzahlen mittelfristig nicht mehr ausreichen könnten, die dörflichen Einrichtungen und damit später auch die Grundschule zu erhalten. Sie hatte damit vermutlich auch die jüngste Entwicklung in Westdorf vor Augen, wo die Kita aktuell nicht mehr in Betrieb ist und um deren Zukunft gerade noch gerungen wird (die MZ berichtete).

    Der Amtsleiter konnte nur bedingt Entwarnung geben, wobei jede Prognose nicht genauso eintreten müsse. Fakt ist: Seit 2014 sind drei Millionen Euro in den Standort Mehringen geflossen, zurzeit ist die Stadt als Trägerin dabei, die Digitalisierung voranzutreiben.

    Für das aktuelle Schuljahr brauchte Mehringen eine Ausnahmegenehmigung. Dies sei momentan nicht besorgniserregend, weil die erforderliche Mindestschülerzahl von 60 über alle Jahrgänge hinweg auch in den nächsten Jahren erreicht werde. Laut Prognose wird die Zahl der Grundschüler aber ab dem Schuljahr 2030/31 erstmals unter die aktuell gültige Schallmauer von 60 fallen. Die Kinder aus Klein- und Groß Schierstedt sind hier nicht mit eingerechnet.

    Zu wenige Geburten

    Die Ursache für die Entwicklung ist klar. 2024 sind in Aschersleben nur 144 Kinder geboren worden. 119 davon in der Kernstadt Aschersleben, in Freckleben und Klein Schierstedt innerhalb von zwei Jahren kein einziges. „Das wirkt sich aus“, so Schütze, „und ist eine Entwicklung, die uns alles andere als beruhigt.“ Schon jetzt gebe es in den Einrichtungen Überkapazitäten. Von 2.231 verfügbaren Plätzen sind nach Aussagen aus der Verwaltung nur 1.909 belegt.

    Schütze legte auch Zahlen aus der Kita Mehringen vor. Aktuell werden hier vier Krippenkinder, 41 Jungen und Mädchen im Kindergartenalter und 73 Hortkinder betreut – insgesamt 118. Im kommenden Jahr wird die Zahl der betreuten Kinder bei 107, 2030 nur noch bei 84 liegen.