Mitteldeutsche Zeitung, 22. Oktober 2026

Die Mehringer Kirche St. Stephani hat ein neues Turmkreuz erhalten – ein weiterer Schritt im Zuge der aktuellen Arbeiten an dem Gotteshaus.

Am Dienstag ist die Mehringer Kirche mit einem neuen Kreuz gekrönt worden. FOTOS: ANJA RISKE
Jörg Otto verschließt die neue Zeitkapsel für die Mehringer Kirche.

Von Anja Riske

Mehringen/MZ. Dem einen oder anderen Mehringer dürfte es bereits aufgefallen sein: Das Kreuz, das jahrelang auf der Spitze die Kirche gethront hat, ist verschwunden. Seit Dienstag krönt jedoch ein neues Exemplar das Gotteshaus. Gemeinsam mit dem Kirchenknopf inklusive Zeitkapsel wurde das Kreuz auf dem Dach angebracht. Das wollten sich auch viele Schaulustige nicht entgehen lassen, die dafür zur Kirche gekommen waren.

Doch warum musste das alte Kreuz – immerhin das Original von 1880, noch dazu in dreidimensionaler Gestaltung – überhaupt ersetzt werden? „Weil es einfach zu schwer war“, erklärt Klaus Kilian, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Um die 350 Kilo habe das gute Stück auf die Waage gebracht.

Neues Kreuz ist leichter

Das Problem: Einerseits hatte das Läuten der Glocken in der Vergangenheit durch damit verbundene Vibrationen für Risse in der Spitze der St.-Stephani-Kirche gesorgt. Eine schlechte Basis für das schwere, gusseiserne Kunstwerk. Das ist andererseits in einer Höhe von mehr als 35 Metern auch regelmäßig starkem Wind ausgesetzt. Kurzum: „Das Kreuz drohte abzustürzen“, so Klaus Kilian.

Die kritische Lage sei auch durch einen Statiker bestätigt worden. Die Alternative zum neuen Kreuz wäre ein Gegengewicht innerhalb des Turms gewesen, das jedoch mit einer sechsstelligen Summe zu Buche geschlagen hätte. Das Exemplar, das nun auf der Spitze des Gotteshauses sitzt, wurde in der Metallwerkstatt von Jörg Otto in Halle hergestellt und wiegt nur ungefähr ein Zehntel seines Vorgängers.

Zeitkapsel mit Zeitung


Gemeinsam mit dem Kreuz wurde auch der Kirchenknopf wieder auf dem Dach angebracht und mit ihm zusammen – wie zuvor – eine Zeitkapsel. Bevor man die neue befüllt hat, wurde natürlich auch der Inhalt der alten in Augenschein genommen. Darin hätten drei Zeitungen aus der Zeit der Bekrönung gesteckt sowie ein Brief des ehemaligen Pfarrers Wilhelm August Ewald Kühne, der Ende des 19. Jahrhunderts auch eine Chronik über Mehringen verfasst hatte.

Auch in die neue Kapsel habe man nun eine aktuelle Zeitung gepackt, erzählt Klaus Kilian, ebenso wie Ablichtungen der historischen Beigaben. Auch enthalten: eine Broschüre über die Vereine, die Kirche, Kita und weitere Einrichtungen im Ort, die vor einigen Jahren im Zuge der Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ entstanden war. „Das charakterisiert gut, was in Mehringen so passiert“, meint der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats.

Zudem wurden auch eine Geschichte sowie Fotos der Kirche beigelegt, beispielsweise aus den 1980er-Jahren, aber auch aktuellere vom jährlichen Weihnachtsmarkt.

Ausstellung in Kirche geplant


Bereits seit dem Frühjahr laufen die Bauarbeiten an der Mehringer Kirche. „Die Außenfassade ist fast fertig“, sagt Klaus Kilian. Fugenrisse wurden ausgebessert, Fenster erneuert. „Jetzt muss nur noch innen was gemacht werden, die maroden Zwischendecken müssen raus.“ Das Gerüst an der Außenseite der Kirche soll jedoch in der kommenden Woche zurückgebaut werden.

In der Kirche, genauer: auf Höhe der Turmuhr, soll künftig eine Ausstellung eingerichtet werden, in der die Glocken, die bislang erklungen sind, gezeigt werden, ebenso wie eine Ausstellung zu ihrer Geschichte und der Historie von Mehringer Kirche und Kloster. Für den neuen Glockenstuhl sollen mit Hilfe einer finanziellen Förderung auch neue – beziehungsweise gebrauchte – Glocken angeschafft werden. Auf die Zusage für die finanzielle Unterstützung warte man derzeit noch, so Kilian.

„Auch das alte Turmkreuz werfen wir nicht einfach weg“, so Kilian. Es soll in Zukunft einen Platz im Kirchgarten finden.