Land unter entlang der Wipper
Mitteldeutsche Zeitung,18. Juli 2026
Das Unwetter am Freitagnachmittag hat in Ascherslebener Ortsteilen für vollgelaufene Keller und Straßen gesorgt. Feuerwehren und viele freiwillige Helfer waren im Dauereinsatz.

Von Anja Riske, Frank Gehrmann und Detlef Anders
Mehringen/Freckleben/Drohndorf/MZ. Ausnahmezustand im Wippertal: Nach einem schweren Unwetter musste die Stadtfeuerwehr Aschersleben am Freitagnachmittag die Notlage für die Stadt ausrufen.
Infolge von Regenfällen und Gewittern wurden im gesamten Gebiet von Aschersleben die Feuerwehrgerätehäuser besetzt und somit einsatzbereit gehalten. Die Einsätze wurden dann zentral koordiniert. Während die Kernstadt selbst nur minimal betroffen war, hat das Unwetter vor allem in Mehringen, Drohndorf und Freckleben seine Spuren hinterlassen.

Anwohner packen mit an
Zwar hatten viele sehnsüchtig auf etwas Regen für den Garten gewartet. Doch müssen es gleich 71 Liter sein, wie ein Mehringer gemessen hat? Die offizielle Niederschlagsmenge an der Mehringer Wetterstation weist um 16 Uhr 61,8 Liter je Quadratmeter binnen einer Stunde auf.
Auf der Mehringer Westerbergstraße fließt am Nachmittag das schlammige Wasser in Strömen herunter, auch auf der Kreisstraße steht es. Der nahe gelegene Graben ist übergelaufen, auch die Gullydeckel werden mitunter gehoben, Schlamm von den nahe gelegenen Feldern wurde herangespült.
Während die Anwohner teils vollgelaufene Keller zu beklagen haben und ein Auto abgeschleppt werden muss, hat das Unwetter auch Folgen für die Landwirtschaft: Das Wasser hat eine Scheune geflutet und dabei große Mengen geernteter Erbsen verdorben.
In der schwierigen Lage packen die Anwohner jedoch gemeinsam an, greifen zu Schaufel und Besen, befreien Gehwege von Schlamm und herangespültem Heu. Ein Mann fährt schließlich mit einer Lademaschine die Straße entlang und sammelt den Unrat ein. „Es ist schön zu sehen, dass hier alle mithelfen“, meint eine Anwohnerin und scherzt, es sei heute in Mehringen ein bisschen wie in Venedig.

Bäume umgekippt
„Hier ist Ausnahmezustand, es ist alles drunter und drüber“, sagt auch Frecklebens Ortsbürgermeister Frank Hänsgen gegen 16 Uhr. „Bäume umgekippt, Straßen gesperrt, Telefonleitungen runtergekommen, nach Arnstedt geht gar nichts.“ Er selbst versucht beim MZ-Anruf, den Teleskoplader vom Forstbetrieb seines Sohnes zu holen, um zu den Bäumen zu kommen, um sie von der Straße zu schieben.
„Das war Sturm und Hagel, da haben sich die Bäume vor meinem Fenster gebogen, dass sie fast entwurzelten“, schildert er das Gesehene. Und an einigen Stellen passierte genau dies. In der Kürze und in der Heftigkeit habe er das noch nie erlebt, sagt Hänsgen.

Spielplatz und unter Wasser
In Drohndorf stehen gleichzeitig der Wasserteich mit dem Spielplatz unter Wasser. „Im Ort sieht es nicht so schön aus“, berichtet Sabine Herrmann, die Ortsbürgermeisterin, nach dem Gewitter mit drei Millimeter großen Hagelkörnern. Das Verheerende sei der starke Wind mit dem Regen gewesen. „Das hat richtig gepeitscht.“ Die Wipper sei zuvor nur noch ein Rinnsal gewesen. Zumindest kurz nach dem Gewitter ist sie fast randvoll.
Aber einige Gartengrundstücke in Drohndorf stehen unter Wasser. Auf den Straßen sei Schlamm, Gullys seien verstopft. Straßenreinigungsarbeiten müssten erfolgen, sagt sie. „Es war schon ganz schön heftig.“
Und die Einsätze der Feuerwehren sowie aller freiwilligen Helfer werden wohl den gesamten Abend in den Ortschaften noch andauern.
