Mitteldeutsche Zeitung,11. Juli 2026

Finnisches Jazz-Trio begeistert in der Mehringer Stephanikirche: Salesvuo Syncopation verbindet traditionellen Swing mit nordischer Leidenschaft.

Mit Leidenschaft und Spielfreude begeisterte das finnische Jazz-Trio Salesvuo Syncopation das
Publikum in der Mehringer Stephanikirche und sorgte für einen besonderen Konzertabend vol-
ler Swing und Improvisation. FOTO: CLAUDIA BARON

Von Claudia Baron

Mehringen/MZ. Ein mitreißendes Konzert begeisterte am kürzlich das Publikum in der Mehringer Stephanikirche und zeigte, wie lebendig die Jazz-Szene ist. Schon nach den ersten Tönen war klar: Dieser Abend wird ein besonderes musikalisches Erlebnis. Auf Initiative von Christine Hermsdorf, Vorsitzende der Bezirksgruppe Vorharz der Deutsch-Finnischen Gesellschaft, machte die aktuelle DFG-Tournee von Salesvuo Syncopation auch Station in Mehringen.

Die Gründer und langjährigen Freunde Tomi Salesvuo (Schlagzeug), Petri „Pope“ Puolitaival (Tenorsaxofon) und Mikko Helevä (Hammond-Orgel) lernten sich Mitte der 90er Jahre während ihres Studiums an der Jazzabteilung der berühmten Sibelius-Akademie in Helsinki kennen. Im Gegensatz zu Salesvuos früherem, international gefeiertem Projekt East Funk Attack steht Syncopation für tiefen, traditionellen Swing. Das Trio kombiniert klassischen Soul-Jazz und Hard-Bop mit Eigenkompositionen sowie Jazz-Arrangements finnischer Pop-, Tango- und Unterhaltungsklassiker.

Musikalische Extraklasse

Schon beim ersten Titel wurde deutlich, dass hier Musiker der Extraklasse auf der Bühne standen. Jazz lebt von Improvisation – doch was dieses Trio präsentierte, ging weit darüber hinaus. Die Musiker agierten wie in einem ständigen musikalischen Dialog: ein kurzes Nicken des Schlagzeugers, ein angedeutetes Riff an der Orgel – und schon nahm ein Stück eine völlig neue Richtung.

Tomi Salesvuo versprühte am Schlagzeug pure Leidenschaft. Man konnte hören und spüren, mit welcher Kraft und Freude er spielte. Alle drei Musiker beherrschten ihre Instrumente so souverän, dass sie teilweise mit geschlossenen Augen und das gesamte Programm ohne Noten spielten. Dabei bewiesen die Künstler, dass wahre Freiheit in der Musik kein Chaos bedeutet. Zwischen rasanten Soli und energiegeladenen Passagen entstanden durch das Saxofon immer wieder ruhige, gefühlvolle Momente.

Mehringens Ortsbürgermeisterin Annika Fügner-Meier zeigte sich begeistert: „Am schönsten ist eigentlich immer die Vielfalt. Wir veranstalten dieses Konzert zum zwölften Mal, und das Repertoire ist so reichhaltig. Es wird von vielen Menschen gut angenommen, die nicht nur aus Mehringen kommen.“

Auch Christine Schneidewind verbindet viel mit Finnland: „Während meines Studienaustausches habe ich Finnland mit seiner Kultur und Musik kennen- und lieben gelernt. Daraus ist eine echte Liebe zu diesem Land geworden. Der interkulturelle Austausch durch Musik und Kultur ist mir ein wichtiges Anliegen. Er verbindet Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und lässt uns voneinander lernen.“

Auch Besucherin Ina Daniel aus Sandersleben freute sich über den Abend: „Ich komme immer sehr gern in die Kirche, wenn die Deutsch-Finnische Gesellschaft eine Veranstaltung macht. Diese Musik ist besonders schön, weil sie einfach anders ist. Gerade in der Kirche klingt sie großartig.“ Kulinarisch wurden die Gäste von Schülern der 11. Klasse des Stephaneums Aschersleben versorgt. Sie verkauften Speisen und Getränke, um Geld für ihren Abiturjahrgang zu sammeln. „Da kommen einige Kosten auf uns zu, die wir damit finanzieren möchten“, erklärte Schülerin Selma Bremer.

Finnische Dynamik

Wer Tomi Salesvuo abseits der Bühne erlebt, trifft auf einen ruhigen, zurückhaltenden Menschen. Doch sobald der finnische Spitzen-Drummer hinter seinem Schlagzeug sitzt, zeigt sich seine ganze Leidenschaft für komplexe Rhythmen und energiegeladene Musik. Dieser Kontrast ist kein Widerspruch, sondern tief mit seiner Heimat verbunden. Die Ruhe und Dynamik Finnlands spiegeln sich hörbar in seinen Kompositionen wider. „Es ist die unberührte finnische Natur, aus der ich meine Inspiration und Kraft schöpfe. Diese friedliche Kulisse fließt direkt in meine Musik ein. Die Rhythmen geben mir Struktur, um fokussiert zu bleiben. Wer genau hinhört, kann die Weite der Wälder und Seen in unseren Stücken nachempfinden“, sagte Tomi Salesvuo nach dem Konzert.