Neuer Pfarrer auf dem Land
Mitteldeutsche Zeitung, 9. Oktober 2026
Nach Ausbildungen zum Krankenpfleger und Erzieher sowie Fernstudium hat er als Kirchenclown gearbeitet. Jetzt ist Steffen Schulz für Orte nahe Aschersleben zuständig.

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Von Anja Riske
Mehringen/MZ. Steffen Schulz hatte in den vergangenen Wochen viel zu tun: Seit dem 1. September ist der 55-Jährige der neue Pfarrer im Verbund Bernburg-Südwest – und damit zuständig für die Gemeinden in Drohndorf, Mehringen, Freckleben, Schackstedt, Schackenthal und Klein Schierstedt sowie in Sandersleben und Roda, Plötzkau und Großwirschleben, Giersleben, Strummendorf und Bründel. Seitdem sei er unter anderem schon bei einigen Festen dabei gewesen, erzählt Steffen Schulz, zuletzt etwa beim Erntedank in Mehringen. Er arbeite daran, sich all die neuen Namen und Wege in den Gemeinden zu merken: „Ich bin immer noch ein Lernender.“
Eine „klassische Pfarrerslaufbahn“ habe er nicht hingelegt, berichtet der Hallenser. Da er zu DDR-Zeiten kein Abitur machen konnte, suchte er nach dem Schulabschluss nach einem Ausbildungsberuf und wurde Krankenpfleger. „Eine großartige Aufgabe“, wie er selbst sagt. Aber im hektischen Alltag fehle oft die Zeit für den einzelnen Patienten, zudem habe ihm das Schichtsystem zu schaffen gemacht, sodass er sich umorientierte und den Erzieherberuf erlernte. Zudem absolvierte er ein Fernstudium im Fach Kulturmanagement.
Bibel mit Humor vermitteln
„Mein Christsein hat mich aber in all der Zeit nie so richtig in Ruhe gelassen“, meint Steffen Schulz mit einem Lächeln. Als der Pfarrer Günter Buchenau ihm davon berichtete, dass er bei einer Reise nach Irland einen Clown in einem Gottesdienst erlebt habe, sei er zunächst etwas skeptisch gewesen, erzählt Schulz. Geht so etwas überhaupt?
Er probierte es 1999 in der halleschen Paulusgemeinde selbst aus – und fand so seine Berufung für die nächsten 22 Jahre als Kirchenclown. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz sei er unterwegs gewesen, sagt Steffen Schulz. Unter anderem in Güsten, Bernburg und Könnern sowie in Staßfurt-Leopoldshall machte er mit seinem Programm „Humor in der Bibel“ Station. „Den gibt es nämlich wirklich“, betont er.
„In die Figur des Clowns kann man sehr viel reinpacken“, sagt Steffen Schulz, der in seiner Rolle unter anderem die Schöpfungsgeschichte oder das Leben Jesu aufgegriffen hat. Die Auftritte könnten „Leib, Seele und Geist“ berühren. Und da ein Clown sowohl alters- als auch geschlechtslos sei, könnten sich eigentlich alle Menschen darin wiederfinden.
Dennoch wollte sich Steffen Schulz beruflich noch einmal umorientieren, aber auch weiterhin „etwas mit dem Evangelium“ machen. Der Pfarrer Karl-Heinz Schmidt, der mehrere Jahrzehnte in Bernburg gearbeitet hat und zeitweise auch mal in Freckleben und Drohndorf war, habe ihm dann vorgeschlagen, ebenfalls Pfarrer zu werden.
Zwar hatte sich Steffen Schulz damals bereits in einem Fernstudium der Theologie gewidmet, das zweite Examen habe er aber noch nachholen müssen. So führte ihn sein Weg zunächst für mehrere Jahre in die Region Wolfen, wo er das Gemeinde- und Familienzentrum Christophorushaus leitete, teilweise aber auch pfarramtlich tätig war, etwa bei Taufen, Hochzeiten oder Trauerfeiern. „Das ganze Lebensspektrum.“
Gute Zusammenarbeit
Nun ist er hier in der Region angekommen. Für die Arbeit pendle er von Halle aus hierher, sagt Schulz, der Opa von sechs Enkeln ist – vier eigene und zwei „Bonusenkel“. Letztere seien die Kinder eines jungen Mannes aus Syrien, der der Familie seit Langem sehr nahesteht.
Mit Gemeindepädagogin Sylvia Ruß und Kirchenmusiker Sebastian Saß habe er bei der neuen Arbeit tolle Kollegen an seiner Seite. „Das macht viel Freude“, meint Steffen Schulz. Und: Langweilig wird es so schnell nicht. Denn abgesehen von Begegnungen mit Gemeindemitgliedern steht noch einiges mehr auf dem Plan – unter anderem Arbeiten an den Kirchen in Mehringen, Drohndorf, Sandersleben und Großwirschleben.
Übrigens: Wer den neuen Pfarrer selbst kennenlernen möchte, hat dazu am Sonntag, 11. Oktober, um 10 Uhr beim Gottesdienst in der St.-Stephanus-Kirche in Freckleben und um 14 Uhr in der Gnadenkirche in Giersleben Gelegenheit.
