Premiere beim Holzrücken
Mitteldeutsche Zeitung, 26.Mai 2026
Der Ascherslebener Ortsteil Mehringen ist am 30. und 31. Mai erstmals Austragungsort für die Landesmeisterschaft im Transport von Baumstämmen per Pferd.

Von Detlef Anders
Mehringen/MZ. In Zeiten fortschreitender Automatisierung haben auch in der Forstwirtschaft riesige Vollerntemaschinen für die Baumfällung, Entastung und das Hackschnitzeln der Äste, sogenannte Harvester, Einzug gehalten. Trotzdem gibt es sie noch, die Männer mit den Benzinkettensägen und Baumkletterer. Aber auch die Pferde, die die gefällten Baumstämme aus dem Wald bis an Stellen zerren, die mit Lkw zum Abholen der Baumberge, der Polter, erreichbar sind. Und weil dies nicht nur eine gewisse Kunst und Handfertigkeit, sondern auch eine sportliche Leistung ist, gibt es sogar Meisterschaften in dieser Disziplin, dem Holzrücken.
Am 30. und 31. Mai finden die offenen Landesmeisterschaften im Holzrücken statt – dieses Mal an einem neuen Veranstaltungsort in Sachsen-Anhalt: Bislang wurden sie stets im Südharz, in Braunschwende, ausgetragen. Nun lädt der Landesverband der Interessengemeinschaft Zugpferde in den Ascherslebener Ortsteil Mehringen ein.
Am Sonnabend sollen sich die Teilnehmer im Holzrückewettbewerb der Einspänner messen, am Sonntag dann bei den Zweispännern, berichtet Doreen Wolter, die stellvertretende Chefin des Bundesverbandes der IG Zugpferde. Bei den Einspännern ist das Feld groß: 23 Starter haben sich bislang angemeldet. Fünf Anfänger können zum Ausprobieren einen kleineren Parcours nutzen. Zehn Meldungen gibt es bislang für die Zweispänner am Sonntag.
Viele Helfer unterstützen
Genutzt wird ein Teil des Areals vor der Insel, zwischen einem kleinen Wäldchen und der Wipper, wo auch das Fahrerlager stehen soll. Beim Parcoursbau hilft unter anderem Marcel Hänsgen, Sponsor aus Freckleben, sagt Doreen Wolter. Er werde auch das Holz und Manpower beisteuern. Ein Bauer stelle die Wiese zur Verfügung und der Mehringer Reitverein sein Vereinsgelände. Die Hauptinitiative liege in der Organisation bei Jens Könnecke aus Walbeck und Carolin Seidel aus Güsten. Der Parcoursbau wird von Matthias Buchmann geplant und durchgeführt. „Allein schafft man so was nicht”, betont Doreen Wolter und kündigt auch einen Caterer und mehrere Stände an. „Wir hoffen, dass wir guten Zulauf haben.”
Genaue Zeiten kann sie im Vorfeld des Wettstreits nicht nennen, weil die Zahl der Starter noch nicht feststeht. Die Sportler rechnen mit einem Beginn gegen 8 Uhr. „Das wird den ganzen Tag über gehen”, denkt die Mitorganisatorin. Zwischen 20 und 30 Minuten kalkuliert sie für jeden Starter. Am Sonnabend gibt es zum Tagesabschluss in der Festhalle auf der Insel einen Fuhrmannsabend, zu dem auch Besucher willkommen sind.

zum Holzrücken in den Wäldern unterwegs. Nun organisiert sie die Landesmeis-
terschaft mit. FOTO: CAROLIN SEIDEL
Doreen Wolter, die selbst in Groß Schierstedt zu Hause ist, freut sich, die Veranstaltung in diesem Jahr im Salzlandkreis auf die Beine stellen zu können – zumal es in Mehringen engagierte Reitsportler gebe. Viele Leute wüssten gar nicht, dass es heute noch Holzrückepferde gibt, sagt Wolter. Dabei könne man mit ihnen nachhaltige Land- und Forstwirtschaft betreiben. Mit Veranstaltungen sollen die Tiere bekannter gemacht werden.
Eine Konkurrenz der Holzrückepferde zu den Maschinen sieht sie nicht. Eine Marktnische für bodenschonende Bewirtschaftung bestehe etwa in Naturschutzgebieten und Hanglagen, wo Maschinen nicht fahren sollen.
Junge Menschen begeistern
Doreen Wolter betreibt das Holzrücken mit ihren Pferden nebenberuflich. „Wir gehen ganz normaler Arbeit nach, damit wir das teure Hobby finanzieren können”, erklärt sie. Die Pferde könne man natürlich auch reiten und vor eine Kutsche oder einen Pflug spannen.
Sie hoffe, auch die Jugend durch Veranstaltungen wie in Mehringen wieder an das Thema Forstwirtschaft und Jagd heranführen zu können. Einsätze zum Holzrücken gebe es im Salzlandkreis allerdings kaum. „Hier zu Hause haben wir wenige Flächen”, sagt sie zur geringen Anzahl von Wäldern im Salzlandkreis. Zum Holzrücken sei sie mit ihren Pferden eher im Südharz oder bei Dessau im Einsatz.
Nicht nur Sachsen-Anhalt
Mehrere Starter bei dem Wettbewerb Ende Mai kommen aus Sachsen-Anhalt, weitere aus den benachbarten Bundesländern, aber auch einer aus Baden-Württemberg. „Wir kommen bundesweit zusammen”, sagt Wolter. Neben dem Landesmeister, der sich für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert, werden die Sieger in der offenen Klasse gekürt.

cken. Er startet in Mehringen ebenfalls. FOTO: VOLKER MÜLLER/ARCHIV
Aus dem Raum Aschersleben werde niemand starten. Ulf Bachmann aus Hecklingen will aber dabei sein. „Mein Mann ist leider krank”, bedauert Doreen Wolter. Sie selbst könne ihn – auch aufgrund des Arbeitsaufwandes in der Organisation – nicht vertreten. Doch sie ist sich sicher, dass die offenen Landesmeisterschaften auch ohne Starter aus Aschersleben eine schöne Veranstaltung für die Region werden.
