Mario Behnke stellt seit 40 Jahren bunte Programme und Theaterstücke auf die Beine und weiß so manche Anekdote zu berichten. Wie über die Mehringer Hopfenfrauen.

  • Mario Behnke hat in seinem Büro zahlreiche Fotos von sich und den Künstlern hängen. Foto: Engelbert Pülicher
  • Der noch junge Mario Behnke (li.) hat Heinz Quermann in seine Programme aufgenommen.Foto: Behnke
  • Veranstaltung in Mehringen.
  • Erinnerungen. Fotos (2): Regine Lotzmann

Von Regine Lotzmann

Mehringen/MZ. Was Heinz Quermann – Deutschlands unvergesslicher Showmaster, der jahrzehntelang etwa mit „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ zur Weihnachtszeit in die DDR-Wohnzimmer flimmerte – mit Mehringen zu tun hat? Hopfensaft und Streuselkuchen! Mario Behnke muss lachen. Denn an diese Geschichte erinnert sich der Veranstalter, der seit 40 Jahren im Geschäft ist – einen Großteil davon mit dem „Show Express Könnern“ – noch ganz genau.

„Es war im Sommer 1996, als Quermann beim Schützenfest in Mehringen das Festzelt zum Beben brachte“, zeigt Behnke, der den Künstler damals in den Vorharz holte, auf einen entsprechenden Zeitungsartikel. Auf den Tag genau 35 Jahre zuvor war Quermann schon einmal in dem kleinen Ort bei Aschersleben gewesen. Deshalb hatte sich auch eine Hopfenpflückbrigade nach ihm benannt. Denn der Grundstoff fürs Bierbrauen wurde damals noch rund um Aschersleben angebaut.

„Drei Frauen aus dieser Brigade wussten noch, dass Quermann einst Streuselkuchen liebte und hatten extra für ihn gebacken“, berichtet der Leiter der Künstler-Agentur davon, dass die ehemaligen Hopfenpflückerinnen ihm im Anschluss an das Programm einen Teller davon überreichten.

Von Anfang an dabei

Doch auch für Behnke selbst ist Mehringen ein besonderer Ort. Gleich nach seiner Einstufung zum Veranstalter organisiert er ein Programm für eine dortige Rentnerweihnachtsfeier. „Am 8. Dezember 1984, einen Tag zuvor, wurde der Grundstein dafür gelegt, was ich heute mache“, meint der 62-Jährige und holt ein wenig aus. Im Kulturhaus Könnern hat er nach der Armee als kulturpolitischer Mitarbeiter angefangen. In der ländlichen Einrichtung ist er der Mann für alles: Er holt die Künstler ran, fegt aber auch die Straße oder erledigt Hausmeisterarbeiten. „Es gab Rock und Pop, für Kinder und Senioren aber nichts.“ Das will er ändern, selbst Veranstaltungsgestalter werden. Sein „Gesellenstück“ quasi ist ein Weihnachtsprogramm in seinem Heimatort – an jenem 8. Dezember. „Ich bin morgens aufgewacht und hatte Schüttelfrost. Nicht, weil ich eine Erkältung hatte. Bei der Generalprobe am Abend davor war aber alles schiefgegangen“, erzählt der Könneraner. Doch der Saal tobt. Er bekommt die Einstufung als Programmgestalter und Sprecher der Oberstufe, das höchste Prädikat, das es im Amateurbereich gibt. Und die lokale Presse fragt: Wie geht es nun weiter? Den zweiten Auftritt gibt es zur Verwunderung der Journalisten bereits am nächsten Tag: „Eine Rentnerweihnachtsfeier der LPG Mehringen – mit Bauchredner, Zauberin und Jongleur.“ Dass Behnke das noch so genau weiß, liegt an einem kleinen rosafarbenen Büchlein, in das er seither jede seiner Veranstaltungen eingetragen hat, mit allen Akteuren. Später kommen auch noch Zeitungsartikel und Autogrammkarten hinzu. Darunter sogar von Helene Fischer, die er nach der Wende als junge Frau in seinen Programmen hatte.

In Frose und Aschersleben

Solche organisiert er zu DDR-Zeiten noch für Betriebe und Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, ist auch immer wieder in Frose und Aschersleben zu Gast. Eins seiner Ensemblemitglieder – Humorist Otto Träger – stammt zudem aus der Eine-Stadt. „Wir durften Programme gestalten, aber keine Profis vermitteln.“

Als die Wende kommt und alles möglich ist, will er deshalb eine Agentur gründen. „Doch die Leute wollten damals lieber reisen.“ Für bunte Veranstaltungen bleibt kein Geld. Er gibt das Geschäft auf, will dies später nur als Hobby betreiben. Doch ihm wird gesagt, er müsse dafür wieder eine Agentur gründen, was er dann nochmals tut. Er nutzt seine alten Kontakte. „Doch mein Sprungbrett ist eindeutig Pitti gewesen“, gesteht der Agent. Durch einen Zufall (die MZ berichtete) kommt er nämlich an die originalen Märchenwald-Puppen und deren Sprecher heran. Mit Fuchs und Elster, Pitti, Schnatterinchen tourt er nach deren Fernseh-Aus fortan kreuz und quer durchs Land.

Pitti und DDR-Stars

„Doch nur Kinderprogramm, das ging nicht“, sagt er weiter. Deshalb holt er auch viele DDR-Künstler auf die Bühne zurück. Auch fürs Theater. Olaf Berger, Herbert Köfer, Heinz Rennhack, eben Quermann. „Ich war für ihn immer der Menschenhändler“, lacht Behnke, den bald eine tiefe Freundschaft mit dem Entertainer und anderen Sängern und Schauspielern verbindet. Der Agenturchef gilt unter den Künstlern als zuverlässig, füllt ihre Terminkalender. „Petra Kusch-Lück hat auf der Bühne oft gesagt: ‚Wenn er nicht wäre, würde es uns heute alle nicht mehr geben.‘“

Ein schönes Lob für den 62-Jährigen, der nun aber langsam kürzer treten möchte. Sein Pitti-Programm – der Kobold ist immerhin so alt, wie er selbst – hat er deshalb bereits in andere Hände abgegeben. Nur die Programmhefte mache ich noch. „Mit Ronny Weiland mache ich aber weiter“, spricht er von dem Sänger, dessen Touren er plant. „Nein, ein Ende ist für mich noch nicht in Sicht, aber ich will meinen Rhythmus nun selbst bestimmen“, begründet er das. Die Arbeit habe ihm nämlich immer Spaß gemacht. Den Beweis dafür hat er in seinem Büro in Könnern hängen. Dessen Wände sind gespickt mit Fotos zahlreicher Künstler, die er in seine Programme aufgenommen hat und über die er viele Geschichten zu erzählen weiß. Wie die von Quermanns Streuselkuchen.