Mitteldeutsche Zeitung,20. Juli 2026

Die Anwohner der Orte im Wippertal sind nach dem Unwetter frustriert. Der Flutgraben in Mehringen wurde nicht gereinigt. Kritik kommt auch aus Freckleben und Drohndorf.

In Mehringen zeigt Albrecht Schneidewind, wie hoch das Wasser stand. Seine Scheune ist vorher noch nie vollgelaufen, sagt der 78-Jährige. Diesmal schon.
FOTOS: DETLEF ANDERS
Der Zufluss zum Flutgraben in Mehringen war ein einziger See. Ablaufen konntedort nur sehr wenig Wasser. Straßen, Häuser und Scheunen liefen voll. F.: GEHRMANN
Die Arnstedter Straße ist in Freckleben einen Tag nach dem Unwetter noch vollgesperrt. Ein Telefonmast der Telekom liegt quer über die Fahrbahn. Auch im Umfeld liegen Masten auf dem Boden.
Eine 200 Jahre alte Linde ist am Dorfplatz in Freckleben umgestürzt. Stamm und Äste liegen zum Abtransport bereit.

Von Detlef Anders

Freckleben/Drohndorf/Mehringen/MZ . Wer am Samstagvormittag nach Freckleben will, hat von Arnstedt aus schlechte Karten. Die Folgen des Unwetters am Freitagnachmittag sind unübersehbar. Auf Feldern stehen Mais und Getreide nicht wie sonst in Reih und Glied. Kirschen und Äpfel liegen vom Hagel gepflückt am Straßenrand. Auf der Straße, die kurz vor Freckleben durch ein Waldstück führt, liegen noch Zweige, am Straßenrand die zur Seite geschobenen dickeren Äste und ganze Bäume.

Straße noch nicht passierbar


In Freckleben wartet eine große Sperrbake. Auch einen Tag nach dem verheerenden Unwetter mit rund 70 Litern Regen je Quadratmeter im Wippertal, wegen dem die Stadtfeuerwehr die Notlage ausgerufen hatte, ist die Arnstedter Straße noch nicht passierbar. Am Dorfplatz liegt die umgestürzte 200-jährige Linde, fein säuberlich durchtrennt von den Kameraden der Feuerwehr. Dass die Straße noch nicht freigegeben ist, liegt allerdings nicht an dem Baum. Noch immer liegt ein gefällter Telefonmast quer über die Straße. Nicht nur ein Telefonmast ist hier gefallen. Stromleitungen liegen über dem Areal.

An der Kreuzung Am Schlossberg/Am Schlossteich schimpft Gerlinde Neumann über einen zu kleinen Oberflächenwassereinlauf, der die Massen nicht bewältigte. Hier läuft das Wasser von den „sieben Bergen und nach Westdorf“, wie sie sagt, und vom Schloss über die Teiche zusammen, sagt sie. Und der Graben sei fast zu. Auf der anderen Seite findet sie ein Rohr zu klein dimensioniert. Das Wasser floss über das Grundstück ihrer Familie ab. „Wir hatten schon mal 1,80 Meter Wasser im Keller. Gestern haben wir nur ein paar Eimer rausgeholt“, tröstet sie sich.

Weitgehend aufgeräumt


In Drohndorf sieht es einen Tag nach dem Unwetter auf den ersten Blick nicht so verheerend aus wie in Freckleben. Ein paar Straßen sind schmutzig an den Kreuzungen, vor allem, wo das Wasser vom Acker auf die Dorfstraßen geflossen ist. Am Wasserteich, der am Freitagnachmittag noch ein riesiger See war, sieht es aus, als wäre nicht viel passiert.

Doch Sven Fügemann berichtet, dass bei ihm zehn kleine Hühner, die noch nicht flugfähig sind, „abgesoffen“ sind. Er schimpft, weil beim Straßenbau der Kreisstraße die Fahrbahn erhöht wurde und das Oberflächenwasser nun über den Spielplatz abläuft. Er wolle am Montag gleich zu dem zuständigen Behördenmitarbeiter, kündigt er an. „Das ist schon das dritte Mal.“ Der neue Kanal sei immer wieder zu.

Die Wipper ist an der neuen Brücke heute kein Rinnsal. Aber sie ist auch nicht mehr besonders voll. Über den Fluss liegt ein umgestürzter Baum. Da wartet noch Arbeit.

Flutgraben in der Kritik


Wieder viel deutlicher sichtbar sind die Schäden in Mehringen. Schlamm ist an vielen Kreuzungen zu sehen. Die Eimer der Einlaufschächte stehen schlammgefüllt am Straßenrand. Am Deibelsberg schippt Albrecht Schneidewind mit seinem Enkel und Schwiegersohn den Schlamm von der Straße. Dass das Wasser bis in seine Scheune geflossen ist, hatte er in seinen 78 Jahren noch nie erlebt.

Aber der langjährige Ortsbürgermeister von Mehringen betont: „Wenn der Flutgraben bis zur Wipper nicht sauber gehalten wird, dann säuft Mehringen ab!“ Und der Flutgraben werde nicht so oft gereinigt, wie es nötig wäre, findet er. „Der Flutgraben war dreckig bis zum Gehtnichtmehr“, so Schneidewind.

„Da sind Platten und Steine im Graben. Wenn die zweimal im Jahr saubergemacht würden, würde da nichts wachsen“, sagt Ingolf Ellinger. Der wohnt direkt am Flutgraben an der Ortsdurchfahrt. Die ausgebliebene Grabenreinigung beklagt auch er. Da sei „bestimmt ein Meter Dreck“ im Graben.