Vom Schicksal belohnt
Fairplay-Ehrung des KFV Fußball Salzland: Preise für Sieger der Saison 2023/24 vergeben. Amon van Linthout wird beim Verbandsliga-Spiel zwischen Staßfurt und Sangerhausen ausgezeichnet
Die Mannschaft vom FSV Drohndorf-Mehringen II (1. Kreisklasse, Staffel 1) wurde vom KFV Salzland ausgezeichnet.Traktor Westdorf (C-Jugend), Union Schönebeck II und Blau-Weiß Barby (beide D-Jugend, von rechts) wurden im Nachwuchsbereich ausgezeichnet.Fotos: T. Zschäpe
Mitteldeutsche Zeitung von Tobias Zschäpe
Staßfurt/MZ. Eng ging es im Sparkassenschiff nicht zu, als der KFV Fußball Salzland seine Fairplay-Sieger des vergangenen Jahres ehrte. Mit dem SC Bernburg III und der SG Felgeleben II/WSG Schönebeck fehlten zwei Mannschaften ebenso wie der einzeln geehrte Amon van Linthout, der sich nur wenige Meter entfernt mit seinem SV 09 Staßfurt auf den Rückrundenstart der Verbandsliga vorbereitete. So begrüßten KFV-Präsident Helmut Lampe und Nico Hippe von der Salzlandsparkasse eine kleine Runde zur Ehrungsveranstaltung.
Lampe zeigte sich in seiner Begrüßungsrede erfreut, dass der Fußball im Salzland was Fairplay angeht eine Art friedliche Insel sei. „Wenn ich mir andere Regionen ansehe, wo sie mit Messern statt Schienbeinschonern in den Stutzen auflaufen, kann ich sagen, dass bei uns das Meiste im geordneten Rahmen abläuft. Dafür Danke an alle Mannschaften und Vereine.“
Langjährige Unterstützung
Ein Dankeschön richtete er auch an die Salzlandsparkasse für die Unterstützung und übergab damit das Wort an Hippe. Dieser machte deutlich, wie wichtig seinem Institut die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements ist. Dafür fließen derzeit jährlich eine Million Euro in die Vereine.
Bezogen auf den Veranstaltungsort, bezeichnete er das Fairplay als „moralischen Kompass“, so wie jedes Schiff einen Kompass brauche. „Macht so fair weiter, wie bisher und bleibt sportlich“, richtete er den Gästen aus, bevor er das Wort zurück an Lampe gab, der die Ehrungen durchführte. Beide D-Jugend-Staffeln stellten je einen Sieger, der komplett ohne Strafpunkt in die Wertung einging. Während es für Blau-Weiß Barby durchwachsen lief, konnte Union Schönebeck parallel auch den Kreismeistertitel bejubeln und spielt inzwischen Landesliga.
Den Fairplay-Titel aus dem Vorjahr (damals noch in der D-Jugend) verteidigen konnte Traktor Westdorf, die diesmal in der C-Jugend fast komplett ohne Strafen blieben. Keine Ehrung erfolgte bei den B-Junioren. Diese spielten 2023/24 zusammen mit dem Stadtverband Magdeburg. Da die ersten Plätze in der Wertung an Teams aus der Landeshauptstadt gingen, das Preisgeld aber im Kreis bleiben soll, wurde keine Auszeichnung vorgenommen.
Sonderauszeichnung für SCB
Der SC Bernburg III wurde nicht nur Fairplay-Sieger in der 3. Kreisklasse, sondern erhielt auch eine Sonderauszeichnung. Im Punktspiel beim SV Blau-Weiß Pretzien standen den Gästen nur sechs, statt der auf Kleinfeld üblichen sieben Spieler zur Verfügung. Obwohl die Kreisstädter zwölf fitte Akteure hatten, entschieden sie sich, ebenfalls nur sechs einzusetzen und nahmen infolgedessen auch die 3:6-Niederlage in Kauf.
Fair und erfolgreich
In der 2. Kreisklasse zeigte sich einmal mehr, dass sportlicher Erfolg auch mit Fairplay Hand in Hand gehen kann. Denn der spätere Aufsteiger FSV Drohndorf-Mehringen II wurde auch in dieser Wertung Erster. Einen weiteren Titelverteidiger gab es in der 1. Kreisklasse: die SG Felgeleben II/WSG Schönebeck.
Als einziger Kreisligist blieb Saxonia Gatersleben über die ganze Saison ohne Platzverweis und hatte am Ende 0,61 Punkte Vorsprung im Fairplay-Quotienten auf den ersten Verfolger. Wie die eigene Zweite konnte auch Drohndorf-Mehringen I am Ende jubeln. Trotz eines Kopf-an-Kopf-Rennens um die Kreismeisterschaft blieb die Mannschaft am fairsten.
Für ihr besonders faires Auftreten wurde Union Schönebeck III geehrt. Im Spiel der 3. Kreisklasse erzielten sie unbemerkt ein Tor, während ein Glöther Gegenspieler verletzt auf dem Boden lag. Im direkten Gegenzug ließen sie den VfB dann komplett unbedrängt ausgleichen.
Ehrung wird nachgeholt
Einer, der ebenfalls eine Sonderauszeichnung bekommen sollte, war Amon van Linthout. Im Sparkassen-Cup-Spiel gegen den SV Wolmirsleben/Unseburg/Tarthun wurde nach einem vermeintlichen Foulspiel auf Strafstoß entschieden. Der „gefoulte“ van Linthout hatte wie die Mehrheit der Spieler und Zuschauer keine strafbare Aktion gesehen und kullerte den Ball folglich, nachdem der Strafstoß freigegeben war, in Arme des gegnerischen Torwarts.
Im Sparkassenschiff konnte van Linthout nicht vor Ort sein, „da wir mit der C-Jugend Training hatten und die Entwicklung der Kinder für mich da vorne an steht“, verriet der 22-Jährige. Stattdessen übergab KFV-Präsident Lampe im Rahmen des Verbandsliga-Spiels des SV 09 gegen den VfB Sangerhausen die Auszeichnung.
Van Linthout gab zuvor einen kleinen Einblick, warum er die Entscheidung auf dem Platz getroffen hatte. Dass mit Jan Moritz Michael ein ehemaliger Vereinskamerad im Tor stand, hatte dabei keinen Einfluss. „Nein, absolut nicht. Er ist ja ein direkter Gegner. Es lag einzig daran, dass es für mich kein Elfmeter war“, hält er fest.
Drei Tore in fünf Minuten
Und auch vom Spielstand – Staßfurt führte bereits 1:0 – war seine Entscheidung nicht abhängig. „Ich hätte es auch gemacht, wenn wir zurückgelegen hätten. Anders hätte es in meinen Augen keinen Sinn ergeben. Und am Ende hat das Schicksal uns belohnt und wir haben in fünf Minuten drei weitere Tore erzielt.“ Gelebtes Fairplay lohnt sich eben immer.