2024 rückte die Ortsfeuerwehr Mehringen zu 24 Einsätzen aus. Was die Kameraden noch alles auf die Beine gestellt haben und welche Probleme es gibt.

Der Feuerwehr-Nachwuchs wird in Mehringen gut ausgebildet. Etwa beim 24-Stunden-Feuerwehrtag. Foto: Katrin Wurm/Archiv

    Mitteldeutsche Zeitung von Regine Lotzmann

    Mehringen/MZ. Dass Mehringen es beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ bis zum Kreissieger schaffte, sei auch den engagierten Feuerwehrleuten des Ortes zu verdanken. „Ihr habt bei der Jury einen Supereindruck hinterlassen“, lobte Annika Fügner-Meier die Truppe am Samstagabend. Für die Ortsbürgermeisterin war die Teilnahme an der Jahreshauptversammlung ihrer Ortswehr eine Premiere.

    Immer bereit

    Dass die Feuerwehrmänner und -frauen tatsächlich ständig für ihre Mitbürger aktiv sind, zeigte die Bilanz von Ortswehrleiter Martin Bork. Zu 24 Einsätzen rückten die Mehringer 2024 aus, darunter zu einem Wohnungsbrand. Sie mussten vier Klein- und zwei Fahrzeugbrände löschen, ebenso einen Grasnarbenbrand. Sie waren bei einem Wasserschaden zur Stelle, halfen bei einer Personensuche und einem Menschen in Not, kümmerten sich bei Unfällen um ausgelaufene Flüssigkeiten und rückten zu fünf Sturmschäden aus. Anderen Städten halfen die Mehringer beim Hochwasser und nahmen an einer Großübung teil.

    Summa summarum machten das 620 Stunden im Einsatzdienst, zu denen weitere 1.502 Ausbildungsstunden kamen, rechnete der Ortswehrleiter vor. Gestand aber auch: „Ein wichtiges Problem bei der Einsatzbereitschaft sind die Werktage in der Zeit von 6 bis 18 Uhr, da die meisten Kameraden in der Woche auswärts sind oder auf Montage arbeiten.“ Trotzdem hätten es die Mehringer immer geschafft, die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.

    Bei allen Festen dabei

    Doch nicht nur die Einsätze selbst gehören zu den Aktivitäten der Ehrenamtler. Die bereichern auch das örtliche Leben. Bork sprach von Osterfeuer, Weihnachtsfest, der Teilnahme am Erntedankfest. „Am 6. Januar fand unser erster Neujahrsbrunch statt.“ Der hatte zum Ziel, dass die Feuerwehrleute mit den Bürgern des Ortes ins Gespräch kommen konnten, um die über die Arbeit der Wehr zu informieren. Ein ähnliches Ziel hatte die Brandschutzerziehung in der Schule.

    Bork berichtete ebenso von Einsatzübungen mit benachbarten Ortswehren, Zeltlagern für den Nachwuchs und dem 24-Stunden-Feuerwehrtag, bei dem die Mitglieder der Jugend- und Kinderwehr sich bei unterschiedlichen Einsätzen ausprobieren konnten. Dass der Nachwuchs gut ausgebildet ist, würde der Sieg bei den Kreismeisterschaften der Jugendfeuerwehren beweisen. Dies sei auch dem Engagement von Jugendwart Marco Müller und Jeanette Biedermann in der Kinderwehr zu verdanken.

    Doch der Ortswehrleiter sprach auch einige Probleme an. Dazu gehöre der Ausbildungsstau. „Einen Lehrgangsplatz im Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge zu bekommen, ist wie ein Lotto-Gewinn“, bedauerte Martin Bork. „Ich verstehe da auch den Frust aller Kameraden, die stellenweise schon länger als fünf Jahre auf Lehrgänge warten.“

    Problematisch sei auch das Fehlen einer ausreichenden Förderung für den Erwerb des Führerscheins der Klasse C. „Die alten Hasen hatten den alle durch NVA, GST oder Bundeswehr.“ Durch den Wegfall der Wehrpflicht habe nun aber keiner mehr einen Lkw-Führerschein, so er ihn nicht beruflich brauche. Man müsse für dieses Problem eine Lösung finden, so Bork. „Der Gedanke macht mir persönlich Angst, wenn ich weiß: Überall stehen super Löschfahrzeuge, aber keiner darf sie fahren.“

    Ascherslebens Oberbürgermeister Steffen Amme, der wieder einmal sein Versprechen einlöste, an den Jahreshauptversammlungen der Wehren teilzunehmen, kennt dieses Problem. Für die Führerscheine habe die Stadt Aschersleben Geld in ihren Haushalt eingestellt. „Aber die kosten von Jahr zu Jahr mehr“, erklärte er und appellierte an das Land, die Förderquote anzupassen. „Das Land stellt uns nämlich Geld dafür zur Verfügung, aber das macht nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten aus.“

    130-jähriges Bestehen

    Auch für die malerische Instandsetzung von Gerätehaus und Fahrzeughalle habe die Stadt Geld eingestellt, zumal das 130-jährige Bestehen der Wehr anstehe. Noch befinde sich Aschersleben jedoch in der vorläufigen Haushaltsführung, informierte Amme weiter.

    Mit der Fertigstellung des Hofes am Gerätehaus sei dagegen bereits begonnen worden. 2023 habe die Wehr zwölf Tonnen Schotter erhalten, die die Kameraden verteilt hatten. „Somit stehen auf dem Hof jetzt erst einmal keine größeren Pfützen mehr. Damit ist das Problem aber leider noch nicht gelöst“, bedauerte Bork. Denn der hohe Lehmanteil verwandele den Hof bei Regen nun in einen roten Schlamm-Teppich.

    Zufrieden sind die Mehringer dagegen mit dem Austausch der kompletten Beleuchtung im Gerätehaus im vergangenen Jahr. Dort gibt es jetzt sparsame LED-Lampen. Anpacken wollen die Feuerwehrleute natürlich auch selbst: beim Streichen des Vordachs und beim Dach der Sitzraufe, das langzeitwetterfest werden soll.

    OB Amme, aber auch der Ortswehrleiter selbst sind sehr stolz auf die Feuerwehr. Hier sind immerhin 109 Mitglieder engagiert, davon 32 als aktive Einsatzkräfte, darunter zehn Frauen. Auch um den Nachwuchs müssen sich die Mehringer keine Sorgen machen: In der Jugendfeuerwehr sind 16 junge Leute aktiv, in der Kinderfeuerwehr 14 Jungen und Mädchen.

    Ehrungen und Beförderungen

    Martin Bork (l.) sprach Beförderungen und Ehrungen aus. Foto: Regine Lotzmann

      Genutzt wurde die Jahreshauptversammlung der Ortswehr Mehringen für zahlreiche Beförderungen:

      zum Feuerwehrmann-Anwärter: Patrick Witter und Sarah Schewe,
      zur Feuerwehrfrau: Jessica Göring und Conny Rupprecht,
      zu Oberfeuerwehrfrau bzw. -mann: Vanessa Cibura und Chris Guttner,
      zum Hauptfeuerwehrmann: Daniel Kraus
      zum Ersten Hauptfeuerwehrmann: Norman Baron und Denis Bork.

      Geehrt wurden zudem:
      für zehn Jahre: Denis Bork und Benedikt Scheil,
      für 20 Jahre: Michael und Jeanette Biedermann sowie die Fördermitglieder Werner Laschke und Doris Aschenbrenner,
      für 25 Jahre: Daniel Kraus,
      für 30 Jahre: Andrea Freund, Astrid Miiskiewicz, Petra Krätschmann sowie die Fördermitglieder Rainer Borschel und Albrecht Schneidewind,
      für 60 Jahre: Rosemarie Schröder, Marlis Schulz und Verena Milius – „Das ist schon eine Hausnummer“, zollte der Ortwehrleiter seinen Respekt.

      Besonders schwer fiel ihm die Versetzung der Kameraden Axel Trimpert und Wieland Kämpfer in die Alters- und Ehrenabteilung. „Ihr habt viel erreicht“, dankte er den beiden Männern. „Aber ich denke, sie werden unser Leben in der Feuerwehr sicher weiter bereichern.“

      Zudem dankte Martin Bork der Firma Olschak Stahl und Design, die die Mehringer Ortsfeuerwehr bereits seit Jahren unterstützt und den Kameraden beispielsweise einen Löschbalken fürs Einsatzfahrzeug gebaut hat.